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Lepidoptera - Schmetterlinge



Haltung und Zucht des Indischen Mondspinners Actias selene (Hübner 1807)


Der wunderschöne Mondspinner Actias selene aus der Familie der Pfauenaugenspinner (Saturniidae) ist ein pflegeleichter und in den Insektarien und bei Hobbyzüchtern beliebter Falter. Hinweise zur Haltung und Zucht werden im folgenden Abschnitt als Erfahrungsbericht des Autors wiedergegeben. 

Aussehen und Metamorphose:
Aus den runden, stecknadelkopfgroßen, braun marmorierten Eiern, die häufig von den Weibchen zu größeren Klumpen verklebt werden, schlüpfen nach etwa 10 Tagen die etwa 5 mm langen roten Raupen, die sich in diesem Stadium gerne in größeren Gruppen auf der Blattunterseite der Futterpflanze versammeln. Im ersten Larvenstadium weisen die Raupen noch einen dunkleren „Sattelfleck“ auf, der nach der ersten Häutung verschwindet. Nun sind die Raupen bis auf den schwarzen Kopf und ein regelmäßiges schwarzes Fleckenmuster einheitlich rot. Schon mit der nächsten Häutung erfolgt die Umfärbung der Raupen bei einer Größe von etwa 15 bis 20 mm auf grün. Ab diesem Stadium verändert sich das Äußere der Raupen bis zur Verpuppung kaum. Die Raupen sind grün, weisen jedoch unterschiedlich gefärbte Warzen auf. Die ersten beiden Warzenpaare unmittelbar hinter dem Kopf sind stärker ausgeprägt und tragen eine schwarz umrandete gelbe Spitze. Die Spitzen der folgenden Warzenpaare sind orange und wechseln ihre Farbe von Häutung zu Häutung allmählich in rosa. Eine hellere Linie an der Seite zieht sich über die gesamte Länge des Abdomens. Der Nachschieber hebt sich deutlich schwarz mit gelber Umrandung ab. Bei einer durchschnittlichen Temperatur von 22 °C und einer optimalen Futterversorgung erreichen die Raupen schon nach etwa 4 bis 5 Wochen nach dem Schlupf aus dem Ei ihre Maximalgröße und stehen nun unmittelbar vor der Verpuppung. Die Raupen haben nun eine Länge von gut 60 bis 65 mm und sind fingerdick.

Der Verpuppung geht der Bau des Seidenkokons voraus. Dazu fixiert die Raupe bevorzugt ein oder wenige Blätter der Futterpflanze um ihren Körper, indem sie die Blätter mit Seidenfäden vernetzt. Ist der äußere Kokon aus hellbraunen Fäden fertig gestellt, beginnt das Spinnen des inneren dichteren Kokons, mit dem sich die Raupe allmählich unseren Blicken entzieht.  Nach der Verpuppung findet man im aufgeschnittenen Kokon die dunkelbraune Puppe des Spinners, die schon alle anatomischen Merkmale des adulten Falters (Fühler, 6 Beine, Flügel usw.) vermuten lassen. Insbesondere bei Störung zeigt sich, dass noch Leben in dieser Puppe steckt, wenn nämlich das Abdomen in heftige kreiselnde Bewegungen verfällt.

Bei 20 – 25 °C schlüpfen nach etwa 3 – 6 Wochen die Falter. Der Schlupf erfolgt meiner Beobachtung nach häufig am frühen Nachmittag. Die Falter sind in dichte weiße Schuppen bzw. Haare gehüllt, die teilweise während des Schlupfaktes verloren gehen. Die Auflösung der Seide im Reusen-Bereich des Kokons erfolgt durch die Abgabe eines Speicheltropfens, der ein Enzym enthält, das das Seidenprotein zersetzt. Die frisch geschlüpften Falter klettern zügig aufwärts und hängen sich bevorzugt „kopfüber“ auf. Sobald die Falter zu Ruhe gekommen sind, beginnen sie, Luft in die Tracheen der Flügel und Hämolymphe in die noch schrumpeligen, schlaffen Flügel zu pumpen. Binnen kurzer Zeit (15 – 30 Minuten) sind die Flügel der Falter voll entfaltet. Sie sind hellgelbgrün bis zitronengelb. Die Vorderflügel weisen einen samtroten Vorderrand auf, eine Farbe, die sich auch auf den Brustsegmenten und den Beinen fortsetzt. Die für einen Saturniden relativ kleinen Augenflecken befinden sich etwa in der Mitte der sichelförmigen Vorderflügel. Die Hinterflügel laufen in langen Schleppen aus, die bei weiblichen Tieren grünlich und am Ende leicht gekräuselt, bei Männchen deutlich rosa beschuppt und glatt sind. Die Augenflecken der Hinterflügel gleichen denen der Vorderflügel und werden in der Ruhestellung von den Vorderflügeln bedeckt. Die Flügelspannweite variiert zwischen 10 und 14 cm, wobei Weibchen im Durchschnitt größer sind als Männchen. Sichere Unterscheidungsmerkmale sind allerdings die bei Männchen deutlich größeren Antennen und der bei Weibchen durch Eier mächtig aufgeschwollene Hinterleib. Die Imagines nehmen zwar keine Nahrung mehr zu sich, können jedoch in den Stunden nach dem Schlupf aus dem Kokon und besonders bei Störung ein bräunlich-milchiges Sekret abgeben – Abfallprodukte, die während der Metamorphose von der Puppe angesammelt wurden. Die Falter kopulieren meist schon in der ersten Nacht und die Weibchen beginnen in der darauf folgenden Nacht mit der Eiablage. Selten leben die Falter länger als eine Woche.

Haltung:
Die Eier werden in kleinen Kunststoffdosen mit minimaler Lüftung zusammen mit einem frischen Blatt der Futterpflanze untergebracht.
Die Unterbringung der Raupen erfolgt in geeigneten Kunststoffboxen. Der Boden sollte mit trockenem Küchenkrepp-Papier ausgelegt werden. Die Raupen werden bei jedem Umsetzen/Reinigen zusammen mit den Blättern oder Zweigen, an denen sie sitzen, auf den Boden dieser Kunststoffkisten gelegt und mit frischen Futterpflanzen bedeckt. Man kann auch die Zweige mit den Raupen entsprechend einkürzen (Rosenschere). Müssen einzelne Raupen doch umgesetzt werden, ist darauf zu achten, die Raupen möglichst sanft mittels kleiner Pinzette oder per feinem Pinsel von der alten Futterquelle abzusammeln. Die erforderliche Temperatur von 21 bis 25 °C können durch eine Leuchtstoffröhre oder durch eine Energiesparlampe erzielt werden. Die Raupen sollten möglichst trocken gehalten werden. Anders als oft beschrieben, ist auch das Besprühen der Raupen nicht notwendig, sofern man stets frisches Futterlaub anbietet. Die Kokons sollten gelegentlich besprüht werden. Den schlüpfenden Faltern muss unbedingt die Möglichkeit gegeben werden, hinauf klettern zu können, damit sich die Flügel gut entfalten können. Die Imagines können in einem Moskitonetz (siehe oben: Attacus atlas) oder einem ähnlichen luftigen Behältnis gehalten werden.


Ernährung:
Die Raupen von Actias selene akzeptieren ein breites Spektrum von Ersatzfutterpflanzen. Gute Erfahrungen habe ich mit Rhododendron (Gartenformen), Walnuss (Juglans regia und J. nigra) und Rotbuche (Fagus sylvatica) gemacht. Andere Zuchtstämme sollen jedoch auch erfolgreich auf Liguster (Ligustrum sp.) oder Feuerdorn (Pyracantha sp.) gezogen worden sein. Hat man jedoch mit einer speziellen Diät begonnen, sollte man die Futterpflanze nicht mehr wechseln.

Summary:
The Indian Moon Moth (Actias selene, a silk moth) belongs to the subgroup Saturniidae (
http://en.wikipedia.org/wiki/Saturniidae) of the Lepidoptera, collectively known as saturniids. While some species are outstanding for their large size with wing span reaching up to 30 centimetres (Attacus atlas, Coscinocera hercules), the Indian Moon Moth is eye-catching for its bride yellow-green colour and its long hindwing tails. Many members of the saturniids are easy to breed also A. selene. After 3 to 6 weeks the moth hatches out of the silk cocoon. They can be cultivated in a large mosquito net or something similar. Like all saturniids the adult moth does not need any food. Soon after copulation male moths die which can always be distinguished by their larger, broader antennae, and female moth start to produce 50 up to 200 eggs. 10 days after incubation in a wet camber the larvae began to hatch. The caterpillars accept many different food-plants: Betula spp. (Birch), Juglans regia (Walnut), Liquidambar styraciflua (Sweet gum), Prunus spp. (Plum, Cherry, Apricot, etc), Rhododendron spp. (Great laurels, Azalea), Salix spp. (Willow), etc. I have good experience with Rhododendron and Walnut. I rear caterpillars in plastic boxes under dry and clean conditions (pic.). I hope you will have fun by rearing this wonderful species!

Literatur:

Eilmus S., 2000. Nachtpfauenaugen. Datz, 9/2000, 53. Jahrgang, S. 28 - 32

>> Raupe des Wolfmilchschwärmers Hyles euphorbiae. Die imposante, bunte Raupe des Wolfmilchschwärmers findet man heute leider nur noch an wenigen Stellen in Deutschland und nur vereinzelt. Starker Herbizid-Einsatz in der Landwirtschaft vernichtet bis heute die Raupen-Futterpflanzen (Wolfsmilchgewächse) dieses Nachtfalters. Das Bild entstand am 25.08.2006 bei Schloßböckelheim an der Nahe.


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